Photobiomodulation zur Heimtherapie bei trockener AMD – Originalartikel aus den Ophthalmologischen Nachrichten, Ausgabe 10/2025, Seite 22. Maculight-Studie: multizentrisch, prospektiv, randomisiert, kontrolliert und mit größerem Patientenkollektiv. Autor: Dr. Georg Gerten, MVZ Perfektes Sehen Köln.

Quelle: Ophthalmologische Nachrichten, Ausgabe 10/2025, Seite 22 · Medizin und Forschung

Photobiomodulation zur Heimtherapie bei trockener AMD

Maculight-Studie: multizentrisch, prospektiv, randomisiert, kontrolliert und mit größerem Patientenkollektiv – Einsatz in der Real-World

Köln. Die Altersabhängige Makuladegeneration (AMD) stellt weltweit die führende Ursache für irreversible Sehbeeinträchtigungen bei Menschen über 60 Jahren dar. Mit einer prognostizierten Patientenzahl von rund 288 Millionen im Jahr 2040 ist sie eine der drängendsten Herausforderungen der Ophthalmologie. In Deutschland leben nach einer aktuellen Krankenkassenextrapolation rund eine Million diagnostizierte AMD-Patienten in fortgeschrittenen Stadien. Mit hochgerechneten Frühformen ergibt dies eine Gesamtprävalenz von fünf bis sieben Millionen – davon leiden 85 bis 90 Prozent an der trockenen Form (tAMD), die im Gegensatz zur neovaskulären (nv) Form bislang nur unzureichend therapeutisch adressiert werden kann.

Das klinische Bild der tAMD ist durch einen langsam fortschreitenden Verlust der zentralen Sehschärfe geprägt. Patienten berichten häufig über abnehmende Kontrastwahrnehmung, Leseschwierigkeiten und zunehmende Blendempfindlichkeit. Auch bei Visuswerten oberhalb der Fahreignungsgrenze ist die Lebensqualität erheblich eingeschränkt – insbesondere dann, wenn bereits ein Auge durch Geographische Atrophie (GA) oder neovaskuläre AMD (nAMD) funktionell ausgefallen ist. In einer multinationalen Querschnittsuntersuchung mit 401 Patienten (nv-AMD) zeigte sich bei der Mehrzahl eine deutliche Einschränkung in Autonomie, Mobilität und sozialer Teilhabe. Die Kosten für einen AMD-Patienten im Spätstadium (indirekte und direkte medizinische Kosten, QALY-Verlust) in Deutschland betragen circa 17.000 bis 22.000 Euro pro Patient und Jahr und liegen damit im Bereich von einigen Milliarden Euro pro Jahr.

Wirkprinzip der Photobiomodulation

Die Photobiomodulation (PBM) basiert auf der gezielten Anwendung von niederenergetischem Laser beziehungsweise Leuchtdioden(LED)-Licht im roten bis nahinfraroten Wellenlängenspektrum (590–850 nm). Dabei werden lichtabsorbierende Strukturen in der Zelle – insbesondere die Cytochrom-c-Oxidase in den Mitochondrien – aktiviert. Die Folgen sind eine verbesserte Adenosintriphosphat-Produktion, eine Reduktion oxidativer Stressmarker sowie eine Dämpfung proinflammatorischer Prozesse. Im retinalen Gewebe, das durch seine hohe mitochondriale Dichte – vor allem im Bereich der Photorezeptoren und des retinalen Pigmentepithels (RPE) – besonders empfänglich ist, zielt PBM auf die Stabilisierung metabolisch belasteter Zellen. Die Wirkung ist dabei dosisabhängig biphasisch: Während geringe Energiedichten stimulierend wirken, können zu hohe Dosen hemmende Effekte entfalten. Dieses Konzept ist als Arndt-Schulz-Kurve bekannt. Die Maculight-Studie arbeitet mit einer Energiedichte von 5,4 Joule pro Quadratzentimeter (J/cm²) – ein Bereich, der in präklinischen Studien als therapeutisch effektiv identifiziert wurde.

Interdisziplinäre Anwendung der PBM

Die PBM hat sich über die Augenheilkunde hinaus als therapeutisches Verfahren etabliert. In der Sportmedizin wird sie zur Regeneration nach Muskelverletzungen eingesetzt, reduziert Entzündungsprozesse und verkürzt die Erholungszeit. Eine Metaanalyse belegte signifikante Effekte auf Muskelschmerz, Kreatinkinasewerte und Leistungskonstanz. In der Wundheilung – etwa bei chronischen Ulzerationen wie dem Diabetischen Fußsyndrom – fördert PBM die Fibroblastenaktivität, Angiogenese und Reepithelisierung. Auch in der plastischen und oralchirurgischen Nachsorge findet sie Anwendung. In der Neurologie und Schmerztherapie wird PBM zur Behandlung neuropathischer Beschwerden, Migräne und Neuralgien eingesetzt. Sie beeinflusst nozizeptive Signalkaskaden und unterstützt die neuronale Mitochondrienfunktion.

PBM in der Augenheilkunde

Auch wenn für eine breite Evidenzbasis noch weitere Studien notwendig sind, hat sich die Datenlage zur PBM in der Behandlung der tAMD und weiterer Netzhautpathologien 2025 deutlich erweitert. So konnte in der LIGHTSITE-III-Studie nach 13 Monaten eine signifikante Visusverbesserung gegenüber Sham gezeigt werden. Nach 13 Monaten entwickelte 1,1 Prozent der behandelten Augen gegenüber zehn Prozent der Sham Augen erstmals eine GA. Der Visus steigerte sich bei den behandelten Augen um durchschnittlich 5,9 Buchstaben (13-Monats-Daten).

In einer 16-Monats-Studie wurde PBM bei 41 Patienten mit früher bis intermediärer tAMD untersucht. Die Patienten profitierten von einer signifikanten Verbesserung der mesopischen Kontrastsensitivität; zudem erreichten rund 30 Prozent der Augen einen Visuszugewinn von mindestens fünf ETDRS-Buchstaben. Die zentrale Retinadicke blieb stabil und es wurden keine behandlungsbedingten Nebenwirkungen beobachtet. Insbesondere verbesserte sich auch die Elektroretinographie-(ERG)Amplitude nach vier Monaten.

In einer weiteren klinischen Studie beobachteten Viggiano P et al. eine verbesserte Aderhautdurchblutung. Auch neuroprotektive Effekte der PBM wurden zunehmend genauer untersucht. In einer aktuellen Arbeit von Hurst et al. wurde der Nutzen von PBM zur Reduktion von oxidativem Stress in der Retina unter experimentellen Bedingungen beschrieben. Die Studie liefert Hinweise, dass PBM die Aktivität antioxidativer Enzymsysteme steigert und dadurch die mitochondriale Funktion unter Stressbedingungen schützt.

Die Forschung zur PBM als potenzielle Therapie gewinnt zudem bei weiteren Netzhauterkrankungen an Bedeutung. In einem Review zur Anwendung bei Diabetischer Retinopathie wurden erste klinische Daten zusammengefasst, die auf neuroprotektive Effekte im Frühstadium hinweisen. PBM konnte hier zur Normalisierung der ERG-Befunde, zum Erhalt retinaler Ganglienzellen sowie zur Reduktion glialer Reaktivität und Vascular-Endothelial-Growth-Factor-Expression beitragen.

Es gibt aber auch kritische Stimmen, die die Wirksamkeit der PBM bezweifeln. Bemängelt wird insbesondere, dass viele Studien retrospektiv sind, kleine Kollektive haben oder keine aussagekräftigen Vergleichsgruppen einschließen. Deshalb wurde die Maculight-Studie als multizentrische, prospektive, randomisierte und kontrollierte klinische Studie mit 120 Patienten konzipiert, die erstmals den Einsatz einer PBM-Heimtherapie bei früher und intermediärer trockener AMD unter realen Alltagsbedingungen evaluiert. Die Maculight-Studie wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert.

Auszüge aus dem Clinical Investigation Plan

Die Anwendung erfolgt mithilfe einer tragbaren LED-Brille, inklusive Basis und Steuereinheit, die LED-Licht mit einer Wellenlänge von 670 nm und einer Intensität von 30 Milliwatt pro Quadratzentimeter (mW/cm²) durch die geschlossenen Augenlider appliziert. Die Behandlung wird dreimal wöchentlich morgens für je drei Minuten durchgeführt. Das Studiendesign sieht eine intraindividuelle Kontrolle vor: Ein Auge wird behandelt (Verum), das kontralaterale Auge dient als unbehandelte Kontrolle. Insgesamt werden 120 Patienten eingeschlossen und über einen Zeitraum von zwölf Monaten behandelt.

Beteiligte Zentren und Standorte

Studienleitung: Universitäts Augenklinik Lübeck, Prof. Salvatore Grisanti. Universitäts Augenklinik Bochum, Prof. H. Burkhard Dick. MVZ St. Franziskus Münster, Prof. Albrecht Lommatzsch. MVZ H&R Düsseldorf, Dr. Gerhard Rohrbach. MVZ Perfektes Sehen Köln, Dr. Georg Gerten.

Autor

Dr. Georg Gerten, MVZ Perfektes Sehen – Dr. Gerten und Kollegen, Habsburgerring 3, 50674 Köln, Tel.: 0221-235262, E-Mail: [email protected]